30 years today/30 Jahre heute

English follows German

Ich war ein Kind,
Als wir in den Straßen standen,
Für Freiheit schreiend,
Nachdem wir in den Kirchen saßen,
Für Frieden sangen.

Mein kleines Transparent forderte
Umweltkunde in die Schule.
In meiner ganzen Kindheit,
Falls der Wind recht blies,
Rochen wir die Gase und Gifte,
Produziert ganz nahe,
In Leuna und Buna.
Und noch immer Leugnen wir den Klimawandel.

Dann kamen sie,
Sprachen von schnellen Lösungen,
Blühenden Landschaften,
Wohlstand;
Alles Leicht, alles Schnell, alles erreichbar mit freier Marktwirtschaft.
Sie Predigten sogar in Kirchen* dann,
Wo vorher nur die Opposition ihre Lieder sang,
Ohne drang nach Reichtum,
Aber dass war eben, bevor der Kapitalismus die Kirchentüren eintrat.

Die Versprechen wurden gehalten,
Die Landschaften blühen.
Die Natur erholt sich, ein wenig.
In leeren Dörfern und vormaligen Städten.

Als ich zuletzt mein Kindheitshaus besuchte,
Stand es kaum noch und mein Herz zerbrach noch mehr.
Vormals ein Hotel, dann des Pfarrers Haus, nun eine Ruine.
Und Gier hat hier jeden Aufbauversuch, jede Benutzung gestoppt.

Wo Menschen leiden, steigt die Gewalt.
Wo Menschen glauben, der einfachste Weg sei realistisch,
Scheitern wir alle.
30 Jahre später, die Leute schreien wieder.
30 Jahre später und Nazis träumen von ihrer Revolution und sie kommt näher.
Unterstützt durch Menschen,
Die damals wie heute einen Wunsch haben:
Etwas Frieden, etwas Freiheit und Sicherheit.

Und hier stehe ich, ein Mann mittleren Alters,
Weine über die Gewinne und Verluste unserer Generation.
30 Jahre später,
Vieles und doch nichts erreicht.

——

I was a child,
When we stood in street,
Screaming for freedom,
After sitting in churches,
Singing for piece.

My little poster demanded
Environmental Education in schools.
All my childhood,
When the wind was right,
We smelled the gases and poisons produced nearby,
In Leuna and Buna.
And we still deny climate change.

Then they came,
Spoke of swift solutions,
Blooming landscapes,
Prosperity;
All easy, all quick, all with capitalism to achieve.
They even preached in churches* then,
Where before only the opposition played songs,
Without pushing for riches,
But so it was before, capitalism knocked down the churches door.

The promise was kept.
The landscapes are blooming.
Nature recouping, a little.
In empty villages and former cities.

When last I visited my childhood home,
It barely stood anymore and my heart broke more.
Once a Hotel, then the priests home, now in ruin.
And greed stopped all attempts to rebuild, reuse.

Where people suffer, violence rises.
Where people believe the easy way is realistic,
We all fail.
30 years later, people scream again.
30 years later, Nazis dream of their revolution and its coming nearer.
Supported by people,
Who have this one wish, now and then:
Some piece, some freedom and security.

And here I stand a middle aged man,
Crying for the wins and losses of our generations.
30 years on,
Many successes, but nothing achieved.

*Richard Von Weizecker in Halle